Wenn das Bewusstsein der Realität entgleitet

Der menschliche Stolz auf die bereits erreichte
bewusstseinsmässige Entwicklung kann sehr täuschend und trügerisch sein, denn
was wirklich im eigenen Bewusstsein an Entwicklung erreicht wurde, das muss man
realistisch und nicht subjektiv-begeistert sehen. Die eigene Begeisterung führt
bald zu einer Art unbewussten Euphorie, wenn diese persönlichkeitsbezogen
übertrieben wird. Hinzu kommt noch beispielsweise, dass man dann äusserst
subjektive Erfahrungen macht hinsichtlich der Mitmenschen und deren Schwingungen.
Wenn man Anfänger in der Geisteslehre von BEAM ist, kann es sein, dass man sich
nach dem Studium der Geisteslehre in einiger Hinsicht selbst von etwas
überzeugt und generell auch sich selbst überschätzt. Die Selbstaufopferung für
die Geisteslehre ist grundsätzlich eine falsche Idee, denn das Leben muss
vielseitig entwickelt werden und die vielfältigen zwischenmenschlichen
Beziehungen dürfen nicht vernachlässigt werden, ansonsten man zu glauben
vermöchte, dass man vielleicht besser sei und höher stünde im Wissen als alle
anderen oder sogar als Billy. Die eigene Opfergabe für die Geisteslehre in dem
Sinne, dass man sein Bestes für die Verbreitung der Mission und der Geisteslehre
gibt, sollte bestimmte Grenzen haben. Es heisst nämlich die Geisteslehre in das
eigene Leben zu integrieren und nicht, dass man den materiellen Verpflichtungen
des Lebens nicht mehr nachkommt oder nachkommen kann. Die plötzlich aufkommende
Angst vor irgendwelchen Umständen oder Leuten kann man nicht mit den eigenen
Intuitionen des inneren oder gar geistigen Selbst vergleichen, denn
grundsätzlich ist und bleibt sie irrationell und bedeutet nur eines: Die
vorhergehenden angstvollen, irrationellen Gedanken. Diese Art Gedanken laufen
unbewusst, im Unbewussten, und haben den Charakter, durch die daraus
entstehenden Gefühle den Menschen von etwas Falschem und Unwirklichem zu
überzeugen. So glaubt er letztendlich selbst auf die eigene Wichtigkeit, stellt
sich selbst langsam unbewusst oder halbbewusst in den Mittelpunkt aller
Geschehen und beginnt letztendlich verschiedene Verschwörungtheorien zu entspinnen.
Daraus wird unbewusst oder halbbewusst Verfolgungswahn aufgebaut. Die
beschriebenen bewusstseinsmässigen Entwicklungen sprechen bereits von einer Art
bewusstseinsmässigen Erkrankung und haben nichts mehr gemeinsam mit der
Wirklichkeit und deren Wahrheit. Man kann bereits sehr wohl von einer
Schizophrenie reden, die anzulaufen beginnt. An dieser Stelle angelangt dauert
es dann nicht mehr lange, in der Regel vielleicht einige Monate, bis der Mensch
weitere Wahnvorstellungen und Falschwahrnehmungen macht, woraus er sich
vielleicht dann als Messias oder Auserwählte vorkommt und dergleichen oder
glaubt, als allein Wichtiger Besonderes zur Aufklärung der Mitmenschen oder im
Rahmen der Mission der FIGU beitragen zu müssen. Das ist bereits ein krankheitsbezogener
Grössenwahn, der mit Phantasien verschiedener Art durchsetzt ist, weil der
betroffene Mensch alle seine falschen Regungen, Gedanken und Ängste äusserst
ernst nimmt und willig ist, sie als absolut wahr zu befolgen. Es bildet sich
ein äusserst falsches "Ahnungsvermögen", das überwältigend realistisch ist und
hinter jedem täglichen Geschehen einen anderen und eben unrealistischen Sinn
wittert. Man denkt, mit den "inneren Selbstformen" der anderen Menschen zu
kommunizieren und deutet alles äusserst symbolisch aus. Nachdem man sich durch
falsches symbolisches Wahrnehmungsvermögen überwältigen lässt, glaubt man
daran, dass man eine Art Erleuchtung bekommen hat und handelt stur danach, im
Sinne der falschen Phantasien. Ob man sich davon, von den Wahnvorstellungen,
wieder befreien kann, hängt massgeblich davon ab, ob man seine
Selbstverantwortung oder Eigenverantwortung bzw. sein Pflichtgefühl nicht mehr
den eigenen falschen Gedanken, Phantasien und Vorstellungen oder eben "Intuitionen"
widmet, denn in dem Wahn kann man auch pflichtbewusst sein und eine völlig
falsche "Lehre" blind befolgen. Grundsätzlich kann der Erkrankte der
Schizophrenie alles seiner falschen Gedanken und Gefühle sofort als Wahrheit in
sich proklamieren und annehmen, wodurch er aufs Aussen hemmungslos wird und
seinem Ruf extrem schadet. Wenn man sich an dieser Stelle von den
Wahnvorstellungen nicht befreit, lebt der Mensch in ausdifferenzierten Wahn-
und Phantasievorstellungen und erschafft eine konträre Ideologie oder
"Philosophie" zu der Geisteslehre. Weil diese nicht der Wirklichkeit
entspricht, kommt er nach gewisser Zeit dazu - durch die Beweise der
Wirklichkeit und deren Wahrheit, und also durch das objektiv Gegebene -, dass die
inneren Eindrücke eben falsch waren und er verwirft wieder das, was er
ersponnen hat. Nach und nach kann der Mensch dann alle seine falschen Gedanken
und Eindrücke hinterfragen und korrigieren, wodurch das Schlimmste überwunden
werden kann. Dabei ist es sehr wichtig, die scheinbare Determination von aussen
oder die hauptsächlich religiöse Determination als falsch zu erkennen und sich
davon vollkommen zu lösen und zu befreien, denn der Mensch trägt auch dann,
wenn seine Gene verrückt spielen, eine volle Verantwortung für den Aufbau
seiner Psyche. Was verwirrt wurde, kann wieder geordnet werden, wenn sich der
Mensch bemüht und sein Bestes gibt, und das wünsche ich jedem, der vielleicht
eine genetische Prädisposition hat zur Schizophrenie.

Siegfried Wisser (FIGU-Bulletin 102, Sept. 2018)